Fürsorge für die Schöpfung - kein Nebenauftrag


Benjamin Carstens
Missions Referent für Südamarika

Stell dir vor, du bist Missionar in einem kleinen Dorf am Río Coca im ecuadorianischen Teil des Amazonas. Ende Januar 2022 brach dort zum wiederholten Mal eine Ölpipeline und Tausende Tonnen giftiges Öl liefen in den Río Coca, was viele Pflanzen und Tiere tötete.
Über 100 Dörfer sind betroffen, deren Bewohnerinnen und Bewohner das Flusswasser als Trinkwasser nutzen, die Fische aus dem Fluss als Nahrungsgrundlage haben, ihre Wäsche im Fluss waschen etc. In Deutschland bekam kaum jemand etwas davon mit – dabei wurde die gefährliche Pipeline, vor der die Menschen in den Dörfern immer gewarnt hatten, mit einem Kredit aus Deutschland gebaut.

Was würde diese Situation für dich als Missionar bedeuten? Wäre es ausreichend, der Bevölkerung ein paar Wochen mit Lebensmitteln zu helfen und danach dieses Umweltthema nicht weiter zu beachten (bis zur nächsten Ölkatastrophe dort)?
In diesem Beispiel leuchtet es uns ein, dass Fürsorge für die Schöpfung Teil unseres Auftrags ist. Oft wird das Thema aber eher als untergeordnet angesehen, eine Art Nebenauftrag. Der Blick in die Bibel und der Blick über den Tellerrand zeigen etwas anderes:

1. Der erste Auftrag in der Bibel

In den ersten beiden Kapiteln der Bibel steht der erste Auftrag an die Menschen: den Garten zu pflegen und zu schützen (1 Mos 2,15) – im Zusammenhang mit diesem Vers ist klar, dass das auch das berühmte „Macht euch die Erde untertan“ (1 Mos 1,28) nicht als Freibrief zur Ausbeutung missverstanden werden darf, sondern eine Zuweisung von Verantwortung ist.

2. Umweltzerstörung ist Sünde

Die Bibel bezeugt es an vielen Stellen: Gott liebt seine gesamte Schöpfung und sie ist sein Eigentum. Kann die Zerstörung von Gottes Eigentum dem heiligen Gott egal sein? Nein! Daher müssen wir festhalten: Umweltzerstörung ist Sünde!

3. Fürsorge für die Schöpfung gehört zum Evangelium

Die Lausanner Bewegung brachte es im Abschlussdokument des Internationalen Kongresses für Weltevangelisation in Kapstadt 2010 auf den Punkt: „… das Evangelium zu verkündigen, das sagt ‚Jesus ist Herr‘, bedeutet, das Evangelium zu verkünden, das die Erde mit einschließt, denn die Herrschaft Christi erstreckt sich über die ganze Schöpfung. Somit ist die Fürsorge für die Schöpfung ein Thema des Evangeliums innerhalb der Herrschaft Christi.“ (Cape Town Commitment,
lausannerbewegung.de/kapstadt-2010)

4. Der richtige Zeitpunkt? Jetzt!

Jeden Tag sterben ca. 150 Tierarten aus und im Jahr verschwindet eine Fläche tropischen Regenwaldes, die halb so groß wie Deutschland ist, dazu kommen Luftverschmutzung und Wasserverschmutzung sowie die Folgen des Klimawandels, die in anderen Teilen der Erde viel bedrohlicher sind als hier bei uns in Deutschland. Alles auf die nächste Generation abschieben? Keine gute Idee. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, anzupacken. Wenn Christen denken, das sei allein Aufgabe von Politikern, dann ist das ein Teil des Problems.

5. Eine Frage der Gerechtigkeit

Die Fürsorge für die Schöpfung und der Einsatz gegen die Folgen des Klimawandels sind eine Frage der Gerechtigkeit: Es sind auf der ganzen Welt diejenigen am stärksten davon betroffen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, am stärksten darunter leiden und die geringsten Ressourcen haben, um mit den Folgen klarzukommen. Für den Theologen René Padilla, der aus Ecuador stammt, sind Evangelisation und der Einsatz für Gerechtigkeit wie zwei Flügel eines Flugzeugs: Auf beide kann nicht verzichtet werden.

6. Merkwürdige Mitstreiter? Kein Gegenargument

Wer für den Erhalt der Schöpfung kämpft, hat mitunter merkwürdige Mitstreiter: Esoteriker, Atheisten, Menschen anderer Religionen … Spricht das dagegen, dass Christen sich so für die Schöpfung engagieren? Keineswegs.
Gehen wir zurück zum Anfangsbeispiel und stellen uns vor, wie sich die von der Umweltzerstörung betroffenen und in ihrer Lebensgrundlage geschädigten Christen in den Dörfern am Río Coca fühlen würden, wenn sich die Schamanen für die Umwelt einsetzen, die Missionare dieses Thema aber ignorieren. Das kann bei den betroffenen einheimischen Christen zu einer großen Zerrissenheit und zu echten Glaubenskrisen führen.

7. Neue missionarische Kraft

Der Einsatz für die Schöpfung kann gerade unerreichten Volksgruppen wunderbar die Liebe Jesu Christi demonstrieren und auch Gemeindegründungen ermöglichen.
Die Lausanner Bewegung schlägt deshalb vor, Umweltmission als eigene Kategorie missionarischer Arbeit zu sehen. Ein Beispiel für Umweltmission ist die nebenstehende Stellenausschreibung.

 

Das sagt die Bibel über Gott,die Schöpfung und uns:

  • Gott hat alles geschaffen (1 Mos 1,1)
  • Die Schöpfung gehört Gott (Ps 24,1)
  • Gott wertschätzt seine Schöpfung (1 Mos 1,31)
  • Gott liebt seine Schöpfung (Ps 145,9)
  • Gott kümmert sich um seine Schöpfung (Ps 65,10)
  • Fürsorge für die Schöpfung ist unser Auftrag (1 Mos 2,15)
  • Jesus kam auch als Erlöser für die Schöpfung (Röm 8, 19-22)
  • Gott fordert sein Volk auf, die Schöpfung nicht zu zerstören, auch nicht zu kurzfristigem Vorteil (5 Mos 20,19)

 


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