Auswirkungen der Corona-Krise auf Jugendarbeit

Alles bleibt anders - was für Jugendarbeit jetzt wichtig ist

„Wir fahren auf Sicht und entscheiden kurzfristig.“ Monatelang war das bei Verantwortungsträgen die Devise, um Entscheidungen zu treffen – bei Maßnahmen, Urlaubsreisen oder Veranstaltungen. Inzwischen ist es dran nach vorne zu schauen, zu antizipieren und Schritte einzuleiten für die Realität „nach Corona“.

 

Seit inzwischen 10 Monaten, spüren wir in Deutschland die Auswirkungen der sogenannten Corona-Pandemie.[1] Die jetzige Jugend wird diese Auswirkungen, inkl. der Milliarden-Kredite, am längsten betreffen. Zwei Effekte auf die Jugend haben wir als Jugendreferenten in Gesprächen mit Jugendleitern und Jugendlichen während der letzten Monate beobachtet. Jetzt ist die Zeit für Leiter in Gemeinden und Jugendgruppen darauf zu reagieren und proaktiv zu handeln.

Gemeinschaft statt Gerede

Die Krise hat Vorhandenes sichtbar gemacht und verstärkt – persönlich und gesellschaftlich. Einige Jugendliche sind geistlich richtig stabil geworden, haben in ihre Jesus-Beziehung investiert und sind gestärkt bei den ersten Präsenzveranstaltungen erschienen. Andere, die sich vorher schon schwergetan haben, sind tatsächlich auf Abstand gegangen, waren online nicht dabei und inzwischen ganz verschwunden. Gesellschaftlich ist nach Wochen der Isolation starke und sichere Gemeinschaft für Jugendliche noch wichtiger geworden. Gesprochene Inhalte in Form von Gottesdiensten, Predigten und guten Impulsen, gibt es jetzt unendlich viel mehr. Jugend als Familie, eine herzliche Kleingruppe, Nähe und Freundschaft sind umso kostbarer geworden und sollten strategisch gefördert werden. Nicht die Inhalte, sondern die Beziehungen entscheiden, was „meine Jugend“ ist.

Besorgt oder nicht?

„Die Jugendlichen sind ernster geworden. Ernsthafter und besorgter.“ – so fasst Der Spiegel die frisch erschienene SINUS-Studie zusammen, die sich alle vier Jahre mit der Lebenswelt der 14- bis 17-Jährigen beschäftigt.[2] Im Sonderkapitel zur Corona-Krise, das auf Interviews von Ende April bis Anfang Mai beruht, wird deutlich, dass die Jugendlichen überwiegend negative Auswirkungen mit Corona assoziieren und 85% beschreiben negative Gefühle wie Angst, Verunsicherung und Trauer. Unterm Strich steht aber das Ergebnis, dass kaum Jugendliche wegen Corona ernsthaft um die Zukunft besorgt sind. Viele haben nach wie vor Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.

Was heißt das konkret?

In Bezug auf die persönliche Entwicklung der Jugendlichen ist zu fragen, wie die geistlich Stabilen jetzt weiter gepusht werden können und wer den Jugendlichen nachgeht, die verloren gegangen sind? Und: Wenn Inhalte online beliebig verfügbar sind, aber Nähe, Freundschaft und herzliche Gemeinschaft nicht – wie kann eure Jugend zu einer großen Familie werden, die alte und neue – auch gemeindefremde – Jugendliche gerne willkommen heißt?

 


[1] Beim Abfassen dieses Artikels war noch nicht klar, wie sich die Urlaubssaison auf die Infektionszahlen auswirken wird.

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