Die Geschichte von Forum Wiedenest

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Die Kurzversion

Die Biblisch-Theologische Akademie Wiedenest wurde 1905 in Berlin als „Allianz-Bibelschule“ gegründet. Führende Persönlichkeiten der Evangelischen Allianz und der Brüdergemeinden sahen die Notwendigkeit, Evangelisten für das zaristische Russland auszubilden.

Zu den prägenden Gestalten der Gründerzeit gehörten Christoph Köhler und Johannes Warns. Beide fühlten sich der Brüderbewegung verpflichtet und pflegten gleichzeitig eine Offenheit gegenüber allen an Christus Gläubigen. Aufgrund der wirtschaftlichen Notsituation nach dem Ersten Weltkrieg zog die Bibelschule 1919 nach Wiedenest um. 

In den 30er- bis 50er-Jahren war die Bibelschule vor allem durch Erich Sauer und seine Veröffentlichungen bekannt. Es war seine besondere Gabe, die großen Linien der Heilsgeschichte herauszuarbeiten und verständlich zu machen. Unter der Leitung von Ernst Schrupp, Mitbegründer der Studentenmission Deutschland (SMD) und der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), entstand 1952 ein eigenständiger Missionszweig. 1998 wurden die seit den 60er-Jahren heranwachsenden „inländischen Dienste“ zum Gemeindeforum zusammengefasst.

Forum Wiedenest ist also heute wie damals ein christliches Zentrum für Bildung, Mission und Veranstaltungen – mit einer beständigen Leidenschaft dafür, dass Menschen im Glauben wachsen, Gemeinden aufblühen und das Evangelium sich ausbreitet.

Toni von Blücher, in deren Wohnung die Bibelschule 1905 gegründet wurde.

1905

Hilfegesuch russischer Brüder

Schon ab dem Jahr 1904 gab es innerhalb der Evangelischen Allianz – insbesondere im Umfeld der Blankenburger Konferenz – konkrete Überlegungen, eine eigene Bibelschule zu gründen. 

Der entscheidende Anstoß zur Umsetzung dieser Pläne war ein Vorfall im März 1905: Drei russische Studenten wurden von Johannes Lepsius aus seinem Seminar entlassen, weil sie sich in der Baptistengemeind Steglitz hatten taufen lassen. Sie bitten Karl Mascher, den Missionsinspektor der baptistischen Kamerunmission, am 9. März 1905 um Hilfe. Der Vorfall wird somit zum Anlass für die Gründung einer Bibel- und Missionsschule, die besonders Christen aus Russland und Osteuropa eine theologische Ausbildung ermöglichen soll.

Gründung der Allianz-Bibelschule

Am 11. April 1905 findet in der Wohnung von Toni von Blücher in der Hohenstaufenstraße 65 in Berlin ein Treffen statt, bei dem die Gründung einer Bibelschule beschlossen wird. Sie erhält den Namen „Allianz-Bibelschule“ und hat ihren Sitz zunächst in Steglitz bei Berlin.

Die wichtigsten Personen für die Gründung der Bibelschule waren: Dr. Friedrich Wilhelm Baedeker, Sekretär Bernhard Kühn, Inspektor Karl Mascher, Prediger Friedrich Wilhelm Simoleit, Freiherr von Thiele-Winckler, General Georg von Viebahn.

An der Gründung mitbeteiligt waren außerdem: Toni von Blücher (Berlin), Inspektor D. Janßen (Neuruppin), Evangelist Kaul (Clafeld), Prediger G. Späth (Steglitz), Freiherr von Thümmler (Selka). In Russland: Baron P. Nicolay (St. Petersburg), Herr P. Schmidt (Steinbach), Baron v. Üxküll (Laitz) u.a.

Berufung der ersten Lehrer

Christoph Köhler (Schildesche bei Bielefeld), der wenige Wochen vorher aus Gewissensgründen sein Pfarramt niedergelegt hatte, wird bereits am 12. April gebeten, als Lehrer und Leiter an die neu gegründete Bibelschule zu kommen. Schon am 14. April erfolgt seine Berufung.

Johannes Warns, früherer Vikar bei Christoph Köhler, gibt am 11. Juni seine Zusage als zweiter Lehrer und verzichtet damit auf eine Pfarrstelle.

Eröffnung des ersten Lehrganges

Am 5. September 1905 findet in Berlin in der von Toni von Blücher gegründeten Christlichen Gemeinde Hohenstaufenstraße 65 die Eröffnungsfeier des ersten Lehrganges der Allianz-Bibelschule mit 18 Schülern aus fünf Nationen und einer Schülerin (Alexandra Dobrolubow, auf der Durchreise von Heidelberg nach Moskau) statt. Der Unterricht wird zunächst in der Kapelle der Baptistengemeinde Steglitz, Sedanstraße 3 durchgeführt.

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken:

Erster Lehrgang 1905. 7.+8. von links: Johannes Warns (heller Anzug) und Christoph Köhler 

Eingang der Christlichen Gemeinde Hohenstaufenstraße 65, wo die Eröffnungsfeier des ersten Lehrgangs stattfand.

Satzung der neuen Bibelschule

Personen, die an der Gründung beteiligt waren

Dr. Friedrich Wilhelm Baedeker

Dr. Friedrich Wilhelm Baedeker wurde am 3.8.1823 in Witten (Ruhr) geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre begann er 1851 ein Wanderleben, bis er 1859 in England eine höhere Schule eröffnete. An der Uni Freiburg im Breisgau erwarb Baedeker den philosophischen Doktorgrad.

1866 entschied er sich für ein Leben mit Jesus Christus. Zuerst als Dolmetscher, später als Evangelist reiste er durch Deutschland und Russland. Lange Zeit besuchte er Strafgefangene und verteilte Bibeln. Baedeker vertrat die „Offenen Brüder“ und war regelmäßiger Teilnehmer der Blankenburger Allianzkonferenz.

Am 9.10.1906 starb Dr. Friedrich Wilhelm Baedeker in Clifton (England).

Toni von Blücher

Toni von Blücher wurde am 23.7.1836 in Stolp (Pommern) geboren. Als Großnichte des Feldmarschalls von Blücher wuchs sie in einem christlichen Umfeld auf, wurde jedoch jahrelang von starken Glaubenszweifeln geplagt.

Später zog sie nach Berlin und entschied sich 1875 nach einer Predigt von Dr. Baedeker für ein Leben mit Jesus. Zuerst verteilte sie zaghaft Traktate, baute später aber eine große Kinder- und Frauenarbeit in Berlin auf, aus der eine eigene Gemeinde in der Hohenstaufenstraße entstand.

Toni von Blücher starb am 18.5.1906 in Berlin.

Friedrich Wilhelm Simoleit

Friedrich Wilhelm Simoleit, geboren am 28.9.1873 in Memeln, studierte von 1893-1897 am Predigerseminar Hamburg. Bis 1900 war er Baptistenprediger in Flensburg, anschließend bis 1919 in Berlin (Schmidstraße).

1903 wählte man Simoleit in die Bundesverwaltung der Baptisten, 1905 wurde er Vorsitzender der Kamerunmission und 1923 deren Direktor. 1914 wurde er Geschäftsführer des Verlags Bergemann in Neuruppin. Ab 1942 arbeitete er noch einmal als Gemeindeprediger in Neuruppin, bis er 1945 in den Ruhestand trat.

Am 13.1.1961 starb Friedrich Wilhelm Simoleit in Berlin-Wannsee.

Gotthelf Bernhard Kühn

Gotthelf BernhardKühn wurde am 1.12.1863 in Penig/Sachsen geboren. Als Kaufmann arbeitet er in unterschiedlichen Bereichen bis er 1903 als Redakteur zum „Evangelischen Allianzblatt“ kam.

Als Mitbegründer und Schriftführer der Allianz-Bibelschule Berlin unterrichtete er dort zeitweise die „Offenbarung“. Als E. Modersohn 1906 die Leitung des Allianzhauses übernahm, siedelte Kühn von Bad Blankenburg nach Berlin über.

Nach schwerer Erkrankung zog er 1909 in den Schwarzwald. In seinen Jahren war er als Liederdichter und Schriftsteller tätig. Nach schwerer Krankheit starb er am 20.3.1914 in Sachsen.

Karl Mascher

Karl Mascher wurde am 13.8.1864 in Lippoldsberg/Weser geboren. Nach einer Ausbildung zum Färber arbeitete er einige Jahre als Kolporteur (Vertrieb von Literatur).

1887-1891 besuchte Mascher das Predigerseminar der Baptisten, um anschließend Prediger in Dresden zu werden. 1895 heiratete er Rachel Mary Fuller-­Goach aus London. Die Kamerunmission der deutschen Baptisten berief ihn 1901 zu ihrem Inspektor.

Am 9.2.1922 starb er in Neuruppin. Seine weltoffene Art beeindruckte nicht nur Baptisten.

F. K. H. Georg von Viebahn

Friedrich Karl Hermann Georg von Viebahn wurde am 15.11.1840 in Arnsberg, Westfalen geboren. Nach seiner Bekehrung kam er mit Erweckungskreisen in Kontakt, durch seine erste Frau Christine Ankersmit auch mit der „Christlichen Versammlung“ (Elberfelder Brüder), der er lebenslang angehörte.

Bis 1896 diente Viebahn als Generalmajor und engagierte sich bereits während seiner Militärzeit missionarisch. Danach widmete er sich vor allem der evangelistischen und schriftstellerischen Arbeit. Als führender Mann der Blankenburger Allianzkonferenz setzte er sich für die Einheit der Christen ein.

F. K. H. Georg von Viebahn starb am 15.12.1915 in Berlin.

Hans Werner von Thiele-Winckler

Hans Werner von Thiele-Winckler wurde am 28.2.1865 in Miechowitz bei Beuthen/‌Oberschlesien geboren und war Mitbegründer der Gnadauer Gemeinschaftsbewegung in Mecklenburg. Für seine Entwicklung erhielt er im Berliner CVJM entscheidende Anstöße.

Sein Gut Rothenmoor wurde eine Keimzelle der Gemeinschaftsbewegung. Er lud dorthin Offiziere, Landwirte, Schüler und Studenten zu Glaubenskonferenzen ein. Thiele-Winckler war der erste Vorsitzende eines Brüderrates für Gemeinschaftsarbeit in Mecklenburg.

Hans Werner von Thiele-Winckler starb am 20.10.1914 in Rothenmoor.

1906

Umzug der Bibelschule in die Hohenstaufenstraße

Nach ihrer Gründung hat die Allianzbibelschule ein Jahr lang ihren Sitz in Steglitz bei Berlin, Sedanstraße 3. Der zur Verfügung stehende Wohnraum reicht jedoch nicht für alle Schüler aus, sodass einige Schüler bei K. Mascher unterkommen und einige bei G. Späth, dem Prediger der Baptistengemeinde in Steglitz. Der Unterricht findet in der Kapelle der dortigen Baptistengemeinde statt, mit der eine gute Zusammenarbeit besteht.

Im Sommer 1906 wird die Bibelschule nach Berlin-Schöneberg, Speyererstraße 26 verlegt. Dort können alle Schüler untergebracht werden. Der Unterricht wird sowohl in der Speyererstraße als auch in Räumen der Christlichen Gemeinde in der nahegelegenen Hohenstaufenstraße abgehalten.

1908 kann die Bibelschule in das inzwischen von der Christlichen Gemeinde erworbene Haus in der Hohenstaufenstraße 65 umziehen, in dem bereits die Gründungsversammlung der Bibelschule sowie die Eröffnungsfeier stattgefunden haben.

Dort bleibt die Schule bis zum Umzug nach Wiedenest im Jahr 1919. Toni von Blücher bittet Christoph Köhler und Johannes Warns schon bald nach der Gründung der Bibelschule, regelmäßig Dienste in der Gemeinde zu übernehmen. So entsteht eine enge Verbindung zwischen Bibelschule und Gemeinde.

1905: Sedanstraße, Steglitz (Foto: 2005)

1906: Speyererstraße, Berlin. Der markierte Teil wurde angemietet.

1909

Das Informationsblatt Offene Türen wird herausgegeben

Das Magazin Offene Türen kann heute noch kostenlos abonniert oder durchgeblättert werden.

Die Bibelschulausbildung wird auf zwei Jahre erweitert

Titelblatt der ersten Ausgabe, der Kopf ist von Johannes Warns gezeichnet.

1911

Umbenennung in „Bibelschule für Innere und Äußere Mission

Während der Name „Allianz-Bibelschule“ die Herkunft aus der Blankenburger Allianz betonte, rückt die neue Bezeichnung den missionarischen Auftrag in den Vordergrund, der das Hauptkennzeichen der sich entwickelnden „Offenen Brüderbewegung“ war. Warns spricht von der Bibelschule bezeichnenderweise auch als „unserem Missionshaus“.

Der Name spiegelt die Entscheidung wider, nicht nur Evangelisten und Prediger für den vollzeitlichen Dienst („Äußere Mission“) auszubilden, sondern auch solchen Christen eine Hilfe zu bieten, die in ihren weltlichen Beruf zurückkehren wollen, um dort Gott zu dienen („Innere Mission“).

1908-1919: Hohenstaufenstraße, Berlin. Eingang der Bibelschule im Hinterhof

1914

Die Zahl der Bibelschüler steigt auf 30 an

Darunter befinden sich zahlreiche Brüder aus Russland (sogenannte Stundisten). Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehren bis auf zehn Schüler alle in ihre Heimatländer zurück. 

1916

Sommermonate in Thüringen

Die Familie Köhler besitzt in Thüringen in der Nähe des Kyffhäusers ein kleines Landhaus, das sogenannte Haidehaus. Als die Lebensmittel in Berlin immer knapper werden, erhält die Bibelschule die Genehmigung, die Sommermonate in der Haide zu verbringen. So geht Christoph Köhler mit den verbliebenen jungen Schülern dorthin, um sich durch gemeinsame Garten- und Feldarbeit den Lebensunterhalt zu erleichtern. Der Unterricht wird dennoch fortgesetzt. Ein Lehrer bleibt jeweils in Berlin, um im Haus und in der Gemeinde die nötige Arbeit zu tun.

Die Suche nach einer neuen Heimat: Thüringen?

Da die Versorgung der Bibelschule in der Großstadt schwierig ist, wächst der Wunsch nach einer Verlegung aufs Land. Zunächst denkt man an die Haide. Dort müsste jedoch ein größeres Gebäude errichtet und ein Brunnen gegraben werden. Daher sucht man in der Nähe der Haide weiter. Der Lindenhof in Kelbra scheint geeignet. Wegen plötzlich aufkommender Bedenken unmittelbar vor der Unterzeichnung des Kaufvertrages wird jedoch vom Kauf Abstand genommen.

Sofava in Ungarn?

Auf einer Reise lernt Johannes Warns in Ungarn die Gräfin Irma von Lazar kennen. Die Gräfin wird von Warns getauft. Da sie keine Kinder hat, bietet sie der Bibelschule ihren Landbesitz in Sofava/‌Ungarn an, insgesamt etwa 300 Morgen Land (einschließlich zweier Schlösser, eines Gutes und einer Mühle). Christoph Köhler und Johannes Warns wollen jedoch zunächst das Ende des Krieges abwarten, um dann den Willen Gottes klarer erkennen zu können.

Zuflucht während des ersten Weltkriegs: Das Haidehaus der Fam. Köhler in Thüringen

Die roten Fragezeichen in der Skizze von Warns zeigen, welche Orte für eine Verlegung der Bibelschule in Augenschein genommen wurden.

1919

Verlegung der Bibelschule nach Wiedenest

Der Fabrikant Ernst Reuber (Gummersbach-Derschlag) sowie Freiherr von Wedekind (Bergneustadt), beide enge Freunde der Bibelschule, halten in Bergneustadt und Umgebung Ausschau nach einem geeigneten neuen Standort für die Bibelschule.

Am 19. März 1919 kaufen sie das Gasthaus Stoffel in Wiedenest. Da dieses Gebäude noch nicht ausreichend Platz für Schule und Wohnräume bietet, wird am 11. April 1919 das schräg gegenüberliegende Haus, ebenfalls eine Gastwirtschaft, hinzugekauft. Das erforderliche Geld wird von Freunden der Bibelschule gespendet.

Umzug und Wechsel in der Leitung

Im August 1919 zieht die Familie Warns nach Wiedenest. Christoph Köhler bleibt aus Altersgründen in Berlin und besucht die Schule in Wiedenest nur gelegentlich. Die Leitung der Bibelschule übernimmt Johannes Warns. Als Hilfslehrer unterstützen ihn Ferdinand Peterssen, Freiherr von Wedekind und Heinrich (Heinz) Köhler. Heinz Köhler tritt als Missionsleiter an. Antoinette Lehmann (ältere Schwester von Johannes Warns) baut als erste Hausmutter den Haushalt unter schwierigen Bedingungen auf. 

Eröffnungsfeier in Wiedenest

Am 5. Oktober 1919 wird die Eröffnung der Bibelschule in Wiedenest gefeiert. Unmittelbar daran schließt sich die erste Wiedenester Konferenz an.

Das erste Gebäude: Das Gasthaus Stoffel wurde zum Haupthaus der Bibelschule (heute Personalhaus).

Das Bibelschulgelände mit Warns-Haus (Eichendorffstr. 4a) im Vordergrund und Veranstaltungszelt links dahinter (Foto ca. 1931)

Die ersten Lehrer und Leiter der Bibel­schule

Christoph Köhler

Christoph Köhler wurde am 14. November 1860 als ältestes von sechs Geschwistern in Cleve geboren. Er entschied sich schon als Konfirmand für Jesus und studierte in Erlangen, Bonn und Halle Theologie.

Ab 1895 wirkte er als Pfarrer an der Stiftskirche in Schildesche bei Bielefeld. Dort kam es 1903 unter seiner Verkündigung zu einer großen Erweckung, bei der Hunderte Menschen zum Glauben an Jesus Christus fanden. Nach Auseinandersetzungen mit der Kirchenleitung trat er wegen seiner theologischen Überzeugungen aus der Kirche aus und wurde im April 1905 vom Gründungsgremium zum ersten Leiter und Lehrer der Bibelschule berufen.

Altersbedingt musste er 1919 aus diesem Dienst ausscheiden und starb am 29. Oktober 1922 während eines Besuchs einer Konferenz in Wiedenest.

Johannes Warns

Johannes Warns wurde am 21. Januar 1874 in Osteel (Ostfriesland) als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter verbrachte er als Neunjähriger prägende Monate bei seinen Großeltern in Wiedenest. Ab 1893 studierte er Theologie in Greifswald, Halle, Berlin und Bonn und war zunächst als Vikar in Schildesche bei Bielefeld tätig.

1905 wurde er zusammen mit Christoph Köhler als Lehrer an die neu gegründete Bibelschule berufen. 1912 heiratete er Annemarie Köhler, die Tochter Christoph Köhlers. Das Paar hatte acht Kinder. Sein großes Missionsinteresse und seine künstlerische Begabung zeichneten ihn besonders aus. Die letzten 17 Jahre seines Lebens leitete er die Bibelschule.

Johannes Warns starb am 27. Januar 1937 in Wiedenest

Heinz Köhler

Heinrich (Heinz) Köhler wurde am 16. April 1891 geboren und war der Sohn des ersten Bibelschulleiters Christoph Köhler. Nach seinem Dienst als Erzieher gehörte er ab 1919 zum festen Lehrerkollegium der Bibelschule.

Von 1937 bis 1952 leitete er das Werk und führte es gemeinsam mit Erich Sauer durch die schwierigen Jahre des Zweiten Weltkriegs. Köhler unternahm Missionsreisen nach Osteuropa, engagierte sich ab 1941 in der Bundesleitung des BEFG (Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinde) besonders für die Jugend- und Sonntagsschularbeit und war begeisterter Trompetenspieler. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau Frieda Bonnke heiratete er zunächst Eugenie Peiniger und, als diese auch verstarb, ihre Schwester Frieda.

Heinz Köhler hatte vier Kinder und starb am 1. März 1967.

Ferdinand Peterssen

Ferdinand Peterssen war ein preußischer Berufsoffizier im Rang eines Oberst, dessen Leben durch eine radikale Bekehrung geprägt wurde. In Berlin hörte er eine Predigt von William Booth (Heilsarmee) im Zirkus Busch. Trotz anfänglichen Widerstands kehrte er am Ausgang um, suchte die „Bußbank“ auf und wurde ein „fröhlicher Christ“.

Ab 1919 gehörte er zum engsten Mitarbeiterkreis der Bibelschule Wiedenest. Da er aufgrund eines Leidens seiner Frau im benachbarten Bergneustadt wohnte, wanderte der betagte Oberst täglich zu Fuß nach Wiedenest, um am Unterricht mitzuwirken. Er wurde als aufrichtiger, demütiger Lehrer geschätzt und arbeitete eng mit Johannes Warns und Erich Sauer zusammen.

Ferdinand Peterssen verstarb 1929 nach langer Krankheit und wurde in Wiedenest beigesetzt.

August von Wedekind

August von Wedekind wurde am 1. Mai 1875 in Darmstadt als Georg Ludwig August Freiherr von Wedekind geboren. Er war preußischer Major und fand 1905 zum persönlichen Glauben.

Eine Schlüsselrolle spielte er 1919 bei der Verlegung der Bibelschule nach Wiedenest, als er das entscheidende Telegramm an Johannes Warns sandte. Von 1920 bis 1927 wirkte er dort als geschätzter Lehrer und Prediger, musste den Ort jedoch aufgrund eines schweren Asthmaleidens verlassen. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Friedrichsdorf und Bad Homburg, wo er aktiv in der Offenen Brüdergemeinde und im Reisedienst tätig blieb. Ein schwerer Schicksalsschlag war die Hinrichtung seines Sohnes Arnd durch die Nationalsozialisten 1943.

August von Wedekind starb am 4. Dezember 1948 in Bad Homburg.

Erich Sauer

Erich Sauer wurde am 31. Dezember 1898 in Berlin geboren. Er studierte an der dortigen Universität Englisch, Geschichte, Philosophie und Theologie. Ein schweres Augenleiden zwang ihn jedoch zum Abbruch seiner akademischen Ausbildung.

1920 kam er auf Einladung von Johannes Warns zur Erholung nach Wiedenest und wurde dort als theologischer Lehrer berufen. 1933 heiratete er Charlotte Köhler, aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Weltweit bekannt wurde er als einer der einflussreichsten heilsgeschichtlichen Theologen durch seine zahlreichen Bücher und den grafisch dargestellten „Wiedenester Heilsplan“. Ab 1937 wirkte er als Studienleiter und die letzten sieben Jahre seines Lebens als Leiter des zwischenzeitlich umbenannten Missionshaus Bibelschule Wiedenest.

Erich Sauer starb am 25. Februar 1959 in Wiedenest.

Ernst Schrupp

Ernst Schrupp wurde am 6. April 1915 in Beyenburg (bei Wuppertal) geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung diente er im Zweiten Weltkrieg als Offizier, wo er schwer verwundet wurde. Dieses Erlebnis führte zu der Entscheidung, sein Leben Gott zu weihen, woraufhin er in Wuppertal und Bonn evangelische Theologie studierte.

Nachdem Schrupp 1948 von Erich Sauer als Lehrer nach Wiedenest berufen wurde, prägte er das Werk maßgeblich durch die Gründung des Missionshauses (1952) und das Konzept der „sendenden Ortsgemeinde“. Er war Mitbegründer der Studentenmission Deutschland (SMD) sowie der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM). Von 1959 bis 1980 leitete er das Missionshaus Bibelschule Wiedenest und verfasste zahlreiche missionstheologische Bücher. Er war seit 1939 mit Lotte Spiecker verheiratet und hatte sechs Kinder.

Ernst Schrupp starb am 19. Februar 2005 in Schwelm.

1920

Erich Sauer wird als Lehrer berufen

Seine Darstellung der biblischen Heilsgeschichte findet weite Beachtung. Seine Bücher Das Morgenrot der Welterlösung, Der Triumph des Gekreuzigten, Vom Adel des Menschen u. a. werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. 

Kurs 1920/21 mit dem jungen Erich Sauer (v.r.)

1930

Brüderhaus und Versammlungssaal werden eingeweiht

Das Brüderhaus zur Unterbringung der Bibelschüler samt einem Versammlungssaal für etwa 200 Personen und einem Unterrichtsraum werden im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Bibelschule eingeweiht. 

An der Errichtung des Gebäudes waren viele Spender beteiligt. Zudem machten fachkundige Helfer aus befreundeten Gemeinden (z. B. Maurer aus dem Westerwald) ehrenamtlich beim Aufbau mit. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte unter anderem die Veranda des Haupthauses zehn Jahre lang als Versammlungs- und Unterrichtsraum gedient. Mit dem neuen Saalgebäude erhält die Schule eine deutlich verbesserte Infrastruktur für den Lehrbetrieb und die Konferenzen

Länder, in denen ehemalige Wiedenester Bibelschüler tätig sind

Deutschland, Russland, Sibirien, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Schweiz, Norwegen, Dänemark, Frankreich, England, Kanada, USA, Südamerika, Syrien, Palästina, Persien, Java und Südafrika.

Johannes Legiehn wird berufen

1933 wird Johannes Legiehn als Hausvater berufen. Mit seiner Frau Agathe leitet er 16 Jahre lang den Bibelschulhaushalt und ist als Missionslehrer tätig. 1948 zieht er mit seiner Familie nach Südamerika, um dort unter Auslandsdeutschen zu arbeiten. 

Hinten: Brüderhaus/‌Saalgebäude (später Jugendhaus, heute herzwerk-Haus); Vorne: das zweite, am 11.4.1919 erworbene Gasthaus, heute Wohnheim 3

Blick in den 1930 eingeweihten Versammlungssaal (heute herzwerk-Wohnzimmer)

1935

Von 25 auf 12 Schüler

Bis 1935 wird die Bibelschule durchschnittlich von 25 Schülern besucht, die jeweils einen zwei- bzw. dreijährigen Kurs absolvieren. Da die Mehrzahl der Schüler aus Ländern wie Russland, Rumänien oder Polen kommt und sich die internationale Lage zunehmend verschlechtert hat, können diese Brüder nicht mehr nach Deutschland einreisen. Dies führt dazu, dass die Schule 1937 nur noch von zwölf Schülern besucht wird.

Heinz Köhler wird Bibelschulleiter, Erich Sauer Studienleiter

1937 wird Heinz Köhler (Sohn von Christoph Köhler) Bibelschulleiter und Erich Sauer (sein Schwager) Studienleiter.

Bibelwochen starten

Als Ausgleich für die verkleinerte Schülerzahl werden 1937 eine und ab 1938 sechs Bibelwochen durchgeführt. Sie entwickeln sich in den folgenden Jahren zu umfangreichen Studienwochen, darunter auch solche für Jugendhelfer und Mitarbeiterinnen in der Arbeit mit Frauen der Gemeinden. Auch die Bibelrüstwochen und später die Ferienbibelschule gehen daraus hervor. 

Offene Türen müssen eingestellt werden

Die Zeitschrift Offene Türen muss 1939 auf Anordnung der NS-Regierung ihr Erscheinen einstellen.

Konferenz in den 1920er-Jahren, bereits damals gibt es eine Buchhandlung.

Charlotte Sauer (geb. Köhler), hier mit Tochter Ursula, gründete einen Frauenmissionskreis.

1940

Die Kriegsjahre

Der Unterricht kommt 1942 infolge der Kriegsereignisse praktisch zum Erliegen. 1943 wird das baptistische Predigerseminar im Hamburg ausgebombt und bis 1948 von der Bibelschule Wiedenest aufgenommen.

Zur Haltung der Brüdergemeinden und des Wiedenester Werkes zum Dritten Reich haben wir eine eigene Dokumentsammlung herausgebracht, die du am Ende der Seite unter „Spezial zu den Tagebüchern Johannes Warns“ findest.

Das Gelände von 1920 bis 1945

Bild 1: Bibelschul-Gelände mit Blick auf Bergneustadt. Das erste Haus (Warns) vorne zwischen den Tannen wurde 1921 erbaut.

Bild 2: Etwa 1925 stehen bereits zwei weitere, landwirtschaftliche Gebäude an der Dörspe.

Bild 3: Das Warns-Haus mit großem Garten, heute Eichendorffstr. 4a, um ca. 1925

Bild 4: Das Hauptgebäude von der Hauptstraße vor dem Brand mit durchgehendem Dachstuhl (ca. 1925)

Bild 5: 1932 gibt es einen Brand, dem ein Teil des Haupthauses, der Stall an der Dörspe (Foto) und das verbindende Gebäude zum Opfer fallen.

Bild 6: Tatkräftig wird der Wiederaufbau begonnen. Das Erdgeschoss wird dieses Mal gemauert, die Reste des Stalls für ein Hühnerhaus verwendet.

Bild 7: Der Stall wird einige Meter näher an der Dörspe neu errichtet, es gibt aber keine Verbindung mehr zum Haupthaus.

Bild 8: Der Dachstuhl des Haupthauses wird um 90° versetzt wieder aufgebaut. Am linken Bildrand das 1930 errichtete herzwerk-Haus

1948 wird Ernst Schrupp als theologischer Lehrer berufen

Aus der Arbeit der Studentenmission kommend, wird ihm in Wiedenest die Förderung der Äußeren Mission zu einem besonderen Anliegen und Auftrag. Die Bibelschule besteht zu dieser Zeit aus nur fünf Mitarbeitern und 15 Bibelschülern. 

1950

1952 übernimmt Erich Sauer die Leitung der Bibelschule

Die Zeitschrift Offene Türen wird wieder publiziert. 

Gründung des Missionshauses

1952 entsteht durch den Zusammenschluss der „Heidenmissionsarbeit“ der Elberfelder Brüder und der „Velberter Missionshilfe e.V.“ mit der missionarischen Arbeit der Bibelschule das Missionshaus Bibelschule Wiedenest e.V. Im gleichen Jahr reist Walter Kretschmer als erster Wiedenester Missionar nach Übersee (Nigeria) aus. Gleichzeitig beginnen Renatus und Inge Czeskleba sowie Georg und Gertrud Lorenz ihren Dienst in Österreich.

Bibelschülerinnen werden aufgenommen

1953 beschließt der Vorstand, auch Schülerinnen in die Bibelschule aufzunehmen. Noch im selben Jahr werden einige Missionsanwärterinnen zum Studium zugelassen. Viele von ihnen sind Krankenschwestern. Um Unterkunftsmöglichkeiten zu gewinnen, wird der Stall im Personalhof in ein „Schwesternhaus“ umgebaut. Die zuvor bestehende Landwirtschaft war eingestellt worden.

Den (erweiterten) Eingangsbereich ziert seit 1952 eine neuer Name: Missionshaus Bibelschule.

Ab 1953 waren Bibelschülerinnen kein Einzelfall mehr, um 1970 machten sie meist mehr als die Hälfte der Schülerschaft aus (Foto: 1972).
 

1955

Christoph Volke wird als Hausvater der Bibelschule berufen
 
Daniel Herm reist als erster Wiedenester Missionar nach Pakistan aus 

Mit dem Schiff geht es von Genua nach Karachi. 

1957 reisen die ersten Wiedenester Missionare nach Tansania aus

1959 wird im Süden Tansanias, unter der unerreichten Volkgruppe der Wayaos, der Grundstein fürs Mbesa Mission Hospital gelegt. Aus der Arbeit der Wiedenester Missionare in dem ostafrikanischen Land ist inzwischen ein Gemeindeverband (Kanisa la Biblia, KLB) mit über 260 Gemeinden im ganzen Land entstanden. Neben einem Krankenhaus wurden Schulen, Berufsschulen, ein Verlag sowie Kinder- und Jugendarbeit, theologische Ausbildung und einiges mehr aufgebaut.

Neues Versammlungs- und Unterrichtshaus

1958 wird das neue Versammlungs- und Unterrichtshaus mit 900 Sitzplätzen eingeweiht.

Ernst Schrupp wird Werksleiter

1959 übernimmt Ernst Schrupp nach dem Tod von Erich Sauer die Leitung des Werkes. 

Johannes Legiehn wird für den Gemeindedienst berufen

1959 wird Johannes Legiehn (Hausvater 1933-48) als Lehrer und Verantwortlicher für die Arbeit in den Gemeinden innerhalb Deutschlands an die Bibelschule Wiedenest berufen. Bis 1968 führt er Erich Sauers heilsgeschichtlichen Unterricht fort.

Leo Pasmann wird für die Jugendarbeit berufen

1959 wird Leo Pasmann, Alumnus von 1934-36 aus Haarlem/Holland, als Jugendmissionar und Lehrer berufen. Bis 1966 prägt er die Wiedenester Jugendfreizeiten und den Pfingstjugendtag maßgeblich.

Der Saalbau wird 1958 eingeweiht.

Saalbau und Schwesternhaus links (ca. 1958)
 

Ernst Schrupp wird 1959 Werksleiter (Foto: 1972)

1960

Johannes Osberghaus startet die Kinderarbeit

1960 wird Johannes Osberghaus zum Kindermissionar berufen. Ursprünglich für die Außenmission motiviert, lenken ihn der Rat, „die Arbeit vor den Füßen“ zu tun, sowie ein erschütterndes Verbrechen in der Nachbarschaft auf die geistliche Not der Kinder im eigenen Land. Zu den Highlights gehören die Rüstwochen für Mitarbeiter (heute: movekurse), Kinderfreizeiten (heute SOLA) sowie der jährliche Oberbergische Kindertag mit bis zu 900 Teilnehmern. 1971 wechselt Osberghaus zum Evangeliums-Rundfunk (ERF) nach Wetzlar.

Jugendmissionseinsätze starten

Ab 1962 finden unter Leo Pasman erstmalig Jugendmissionseinsätze statt, die sich auf zahlreiche Länder Europas ausdehnen, darunter Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Deutschland (heute bekannt als Outreach-Einsätze).

Gisela Becker wird als erste Lehrerin berufen

1962 wird Gisela Becker berufen. Sie wirkt als Lehrerin und übernimmt die Begleitung der Bibelschülerinnen, die Vermittlung von Praktika und die Betreuung von Hausmitarbeiterinnen. Zudem kümmert sie sich um Missionarinnen im Heimataufenthalt. In einer Zeit, in der es in vielen Dörfern noch ungewohnt ist, Frauen in leitenden geistlichen Rollen zu sehen, besucht sie Frauengruppen und motiviert Bibelschülerinnen, über ihre eigene Verantwortung in der Gemeinde nachzudenken.

Erster Frauenmissionstag

1963 führt Gisela Becker den ersten Frauenmissionstag mit ca. 600 Teilnehmerinnen und zahlreichen Missionarinnen durch. 1973 wird daraus unter der Leitung von Annegret Focken der Frauenbegegnungstag und 2015 unter der Leitung von Esther Schneider der dacapo-Konferenztag.

1964 wird das Wirtschaftsgebäude eingeweiht

Fritz Stute übernimmt die Aufgabe des Geschäftsführers

Tansania ist Schwerpunkt der Missionsarbeit

59% der Spenden fließen dort hin. Der missionsärztliche Dienst berichtet in diesem Jahr: 173.353 Patienten ambulant behandelt; 24.599 Pflegetage in Mbesa; 3.052 Konsultationen; 491 Leprakranke werden zweimal wöchentlich behandelt. 22 Kinder befinden sich im Waisenhaus. 

Die Arbeit mit Kindern startet 1960.
 

Jugendmissionseinatz in Österreich (ca. 1970)
 

Annegret Focken als Lehrerin (Foto: 1972)
 

Bibelschulklasse vor dem 1964 errichteten Wirtschaftsgebäude

1965

Daniel Herm wird Missionsleiter

1966 wird Daniel Herm zunächst als Missionslehrer aus Pakistan nach Wiedenest berufen. Kurze Zeit später übernimmt er auch die Missionsleitung für die Arbeitsgebiete in Asien und Europa. 

Karl Beyer baut die Kinder- und Jugendarbeit aus

1966 wird Karl Beyer (Alumnus 1958–61) für die Kinder- und Jugendarbeit berufen und baut diesen Bereich stark aus. Neben Fächern wie Jugendarbeit, Seelsorge und geistlichem Leben verantwortet er die wachsende Tagungsarbeit, insbesondere Jugendmitarbeiterschulungen und Pfingstjugendkonferenzen. Beyer fördert die Berufung hauptberuflicher Jugendmissionare, was ab 1978 zur Anstellung zahlreicher Mitarbeiter führt. 

Erneuter Brand im Haupthaus

Am 12.6.1969 brennt es bei Lötarbeiten an den Dachrinnen erneut im Haupthaus der Bibelschule (dem heutigen Personalhaus).

103 Missionare werden betreut

1969 ist die Zahl der vom Missionhaus Bibelschule Wiedenest unterstützten Missionare auf 103 angestiegen. Sie verteilen sich auf Tansania (38), Pakistan/Vorderasien (17), Japan (8), Nigeria (7), Nepal (5), Brasilien (7), Argentinien (1), Spanien (4), Österreich (12) und Sonstige (4). 

Daniel Herm wird 1966 Missionsleiter (Foto: 1972)
 

Karl Beyer (li.) baut ab 1966 die Kinderarbeit stark aus. Mitte: Hartwig Schnurr (Schulleiter 1991–2002, Foto: ca. 1970).
 

1970

Neues „Schwesternwohnheim“

1969 wird an den Wirtschaftstrakt ein neues sogenanntes Schwesternwohnheim (heute Wohnheim 1) für die Schülerinnen angebaut und bereits 1971 um einen Anbau erweitert. Im Erdgeschoss befinden sich Büro- und Unterrichtsräume, im ersten Stock Lehrerzimmer, Bibliothek und Leseraum.

Die erste Pfingstjugendkonferenz findet statt

1972 wird das seit 1951 stattfindende Pfingstjugendtreffen erstmalig als eine mehrtägige Pfingstjugendkonferenz (heute Pfijuko) auf dem Bibelschulgelände durchgeführt. Rund 1.000 junge Leute nehmen im Durchschnitt daran teil. Aufgrund steigender Teilnehmerzahlen (bis zu 2.000 Besucher) werden diese 1978 in die Sporthalle Bergneustadt und 2011 mit über 2.200 Teilnehmern in die Siegerlandhalle nach Siegen verlegt. 

Der ein- bis zweijährige Bibelschulkurs startet

Zusammen mit dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden wird 1972 in Wiedenest ein ein- bzw. zweijähriger Bibelschulkurs (heute BASIC) eingeführt. Schwerpunkt ist die Befähigung zur nebenberuflichen Mitarbeit in Gemeinde und Mission. 

Die Bibelrüstwoche wird zur Ferienbibelschule 

Die bis dahin schon seit Jahrzehnten stattfindenden Bibelrüstwochen bzw. Bibelkurzlehrgänge werden ab 1972 als Ferienbibelschule in den Sommerferien weitergeführt. 

„Brüderwohnheim“ wird eingeweiht

1977 wird das neue „Brüderwohnheim“ für die Schüler in Betrieb genommen. Der Lehrgang ist mit 90 Schülern und Schülerinnen aus neun Nationen der bisher größte in der Geschichte der Bibelschule. 

Zimmer im 1969 erbauten Schwesternwohnheim

Erstes Pfijuko-Mittagessen 1972 im Speisesaal

Unten Mitte das neue Brüderwohnheim (ca. 1979)

1980

Daniel Herm wird Werksleiter
 
Arnim Riemenschneider wird Bibelschulleiter

Von 1981 bis 1991 leitet er die Bibelschule als Nachfolger von Ernst Schrupp. Als Studienleiter war er bereits ab 1969 aktiv.

Start des Wiedenester Jugendliederbuchs

1982 erstellen die Jugendmitarbeiter ein eigenes Liederbuch, das als „Wiedenester Jugendliederbuch“ eine große Bekanntheit erreicht und 2024 in der 19. Ausgabe erscheint. 

Das erste Schulhaus wird gebaut

Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler steigt erstmalig auf über 100 an. Nachdem die Unterbringung durch die beiden Wohnheime gesichert ist, folgt 1982 die Erweiterung der Schulräumlichkeiten. Das neue Schulhaus bietet Platz für drei Klassenräume (zwei gibt es bereits im Saalbau), ein Lehrerzimmer, ein Archiv sowie einen Medien- und Materialraum. Ein besonderes Herzstück ist die Bibliothek mit 26 Arbeitsplätzen.

Arnim Riemenschneider leitet ab 1980 die Bibelschule (Foto: 1972)
 

Oben Mitte das 1982 erbaute Schulgebäude

1985

Start der SOLA-Arbeit

1988 findet unter der Leitung von Hans Brandt das erste SOLA in Lobenhausen a. d. Jagst statt. 1991 wird er für Jungschararbeit in Wiedenest angestellt.

Akkreditierung der Bibelschule

Die Bibelschule erhält für den dreijährigen Ausbildungslehrgang (heute PRO) und den zweijährigen Schulungskurs (heute NEXT) die Akkreditierung durch die European Evangelical Accrediting Association.

Hans Brandt 1988 auf dem SOLA Ritter in Lobenhausen a. d. Jagst

1995

Schulungs- und Begegnungszentrum

Am 25. Juni 1999 wird das Schulungs- und Begegnungszentrum eingeweiht, das anstelle des 1998 abgerissenen Saalbaus gebaut wurde.

Gründung des Gemeindeforums

1999 werden die bestehenden inländischen Dienste zum Gemeindeforum zusammengefasst. Ziel war es, die bereits bestehenden Aktivitäten wie Tagungen und Schulungen unter einem neuen Dach zu bündeln und noch konsequenter auf die Bedürfnisse der christlichen Ortsgemeinden auszurichten. Leiter ist zunächst Gerd Goldmann und ab 2007 Martin Schneider

Der alte Saalbau muss 1998 dem neuen Schulungs- und Begegnungszentrum weichen.

Weitere Bilder

Bild 1: Blick in den neuen Saalbau, die Bibelverse sind bis heute geblieben (1958)

Bild 2: Blick in den neuen Speisesaal, Ernst Schrupp am mittleren Damen-Tisch (1964)

Bild 3: Bibliothek im 1970 erbauten Schwesternwohnheim

Bild 4: Schwesternwohnheim und Wirtschaftsgebäude von der Kirche aus gesehen (ca. 1977)

Kontakt

Du hast noch Fragen?
Ich helfe gerne weiter:

Abel Hoffmann
Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
02261/406-106

hoffmannnoSpam@wiedenestnoSpam.de

Weiterführende Informationen

NotebookLM mit geschichtlichen Hintergründen

Viele der Quellen zu unserer Geschichte gibt es online. Hier findest du einige davon einem Ort versammelt und dank KI sehr einfach durchsuchbar. Du brauchst lediglich ein Google-Konto dafür. 

Um selber in den Quellen zu recherchieren, gibst du in das Chatfeld z.B. ein:

  • Was hat zur Gründung der Bibelschule geführt?

  • Wie hat die Verständigung mit den russischen Schülern am Anfang funktioniert?

  • Erzähle mir mehr zu den Werken von Erich Sauer.

  • Bis wann wurde Landwirtschaft auf dem Bibelschulgelände betrieben?
     

NotebookLM zur Wiedenester Geschichte öffnen

 

„Zukunft braucht Herkunft“, sagt man mit Recht. Wer nach vorn strebt, muss sich auch seiner Wurzeln und Werte, seiner Erfolge und Konflikte bewusst sein. Deswegen haben wir bei Forum Wiedenest durch Schenkungen und Zukäufe ein beachtliches Archiv zur Geschichte der Brüderbewegung geschaffen, das auch Forschungsarbeiten von Privatpersonen, Studenten und Einrichtungen ermöglicht.

Arbeitskreis

Ein 1995 gegründeter Arbeitskreis hat sich zur Aufgabe gemacht, das Archiv zu pflegen und durch eigene Arbeiten wichtige Aspekte der Geschichte der Brüderbewegung neu zu beleuchten und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Zurzeit gehören diesem Arbeitskreis an: Susanne Borner, Dr. Ulrich Brockhaus, Dr. Gerd Goldmann, Karl Otto Herhaus, Hartmut Jaeger, Lothar Jung, Dr. Andreas Liese, Klaus Mauden, Gabriele Naujoks, Joachim Pletsch, Andreas Schmidt, Michael Schneider, Hartwig Schnurr, Dr. Jan Carsten Schnurr, Ernst Thomas, Philipp vom Stein, Hartmut Wahl.

Publikationen 

Neben theologischen Themen sind es Jahrestage und Jubiläen, die zu Forschungen und Publikationen anregen, z.B. der 100. Geburtstag von Erich Sauer (1998), der 200. Geburtstag von John Nelson Darby (2000), 100. Todestag von Friedrich Wilhelm Baedeker (2006), 150. Geburtstag von Rudolf Brockhaus (2006), 150. Geburtstag von Albert von der Kammer (2010), 150. Geburtstag von Christoph Köhler (2010), 100. Todestag von Georg v. Viebahn (2015), 200. Geburtstag von Julius Anton von Poseck (2016).

Publiziert wurde zum Thema 150 Jahre Brüderbewegung in Deutschland (2003), 100 Jahre Bibelschule Wiedenest (2005), 75 Jahre Zusammenschluss von Offenen und Geschlossenen Brüdern in Deutschland (2012), 75 Jahre Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (2016).

Gemeinden und Einzelpersonen können das Archiv unterstützen, indem sie Leihgaben und/oder Schenkungen und Nachlässe zur Verfügung stellen. Notwendig sind aber auch zweckgebundene Spenden, die den Ankauf von weiterem Quellenmaterial ermöglichen.

Kontakt

Adresse: Eichendorffstraße 2, 51702 Bergneustadt, Telefon: 02261/406-0, bruedergeschichte.de, infonoSpam@bruedergeschichtenoSpam.de

Unsere Bankverbindung: Forum Wiedenest, Volksbank Oberberg, IBAN DE71 3846 2135 2202 7000 15, BIC GENODED1WIL

Ansprechpartnerin für Rückfragen: Susanne Borner, Telefon: 02261/406-152

 

Bereits 1905, im Gründungsjahr der „Allianzbibelschule für innere und äußere Mission“ in Berlin (heute Forum Wiedenest), wurde Johannes Warns als Lehrer an die Bibelschule berufen, deren späterer Leiter er bis zu seinem Tod im Januar 1937 war.

2021 erscheinen seine Tagebücher in zwei Bänden, die nicht nur einen Einblick in seine Gedanken geben, sondern auch ein Who-is-Who der Frommen seiner Zeit darstellen. Sie sind ein authentisches Zeitdokument.

Da Johannes Warns auch „Kind seiner Zeit“ war, stellen wir hier einige erläuternde und ergänzende Artikel zu seinen Tagebüchern zur Verfügung: